Zur Landkarte Bistum

Informationen

Gemeinden

In dieser Übersicht finden Sie alle Gemeinden / Ortschaften die zur Pfarrei Hl. Johannes XXIII. gehören.

Maria vom Frieden Erbach

mehr Infos


St. Andreas Erbach

mehr Infos


St. Josef Jägersburg

mehr Infos


St. Remigius Beeden

mehr Infos

Samstag, 27. Februar 2021

Gedanken zum Sonntagsevangelium

2. Fastensonntag 28.02.2021

Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus   (Mk 9, 2-10)

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Jakobus und Johannes beiseite

und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein.

Und er wurde vor ihren Augen verwandelt;

Seine Kleider wurden strahlend weiß,

so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.

Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose,

und sie redeten mit Jesus.

Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind.

Wir wollen drei Hütten bauen,

eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.

Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte;

Denn sie waren vor Furcht ganz benommen.

Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie,

und aus der Wolke rief eine Stimme:

Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.

Und als sie dann um sich blickten,

sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus.

Während sie den Berg hinabsteigen, verbot er ihnen,

irgendjemand zu erzählen, was sie erlebt hatten,

bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.

Dieses Wort beschäftigte sie, und sie fragten einander, was das sei:

von den Toten auferstehen.

 

Gedanken zum Evangelium:

Die Geschichte von der Verklärung Jesu auf dem Berg ist mich persönlich eine der schönsten und tröstlichsten Geschichten des Neuen Testaments. Eine Sternstunde ist sie zumindest für die Beteiligten.

Zunächst hatte er ganz normal begonnen, dieser Tag im Leben Jesu, im Leben von Petrus, Jakobus und Johannes. Und dann wurde es doch ein höchst ungewöhnlicher Tag, ein Tag, an dem der Himmel sich öffnete und das Licht von Ostern seine Schatten vorauswarf.

Wenige Tage zuvor hatte Jesus nach der Aussage des Markus noch von Verfolgung, Leiden und Tod gesprochen. Er hatte zur Nachfolge und Selbstverleugnung aufgerufen: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“ (Mk 8,34). Und dann hatte er gesagt: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren“ (Mk 8,35). Was in Galiläa einmal so hoffnungsvoll begonnen hatte, schien jetzt – auf dem Weg nach Jerusalem – mehr und mehr auf eine Katastrophe zuzulaufen.

Aber Jesus lässt keine Katastrophenstimmung aufkommen. Er weist zwar auf sein Leiden und Sterben hin, aber wenige Verse später – in unsrem heutigen Evangelium – spricht er auch von der Auferstehung. In diesen Rahmen stellt der Evangelist die Verklärung Jesu.

Die Verklärung geschieht auf einem Berg. Berge haben seit alters her im religiösen Empfinden der Menschen eine ganz besondere Bedeutung, denn in ihnen begegnen sich Himmel und Ede. Der Olymp zum Beispiel galt für die Griechen als Versammlungs- und Wohnort der Götter. Oder denken wir an die Bedeutung der Berge in zahlreichen Geschichten der Bibel. So steigt Abraham auf einen Berg, um auf Befehl Gottes seinen Sohn Isaak zu opfern. Mose erhält die zehn Gebote auf dem berg Sinai. Elija macht seine Gotteserfahrung auf dem Berg Horeb. Der Berg der Verklärung ist der Überlieferung nach der Berg Tabor, der majestätisch hoch über der Ebene Jesreel aufragt.

Auf dem Berg kann der Mensch Gott nahe sein, eine Erfahrung, die auch Jesus macht: Immer wieder zieht er sich – wie die Evangelien berichten – auf einen Berg zurück, um zu beten. So auch im heutigen Evangelium: „Während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß.“

Jesus betet. Betend begegnet er Gott, und er kommt ihm so nahe, dass er dadurch verwandelt wird. Reden wir nicht vom „verklärten Gesichtsausdruck“, wenn ein Mensch tiefes, wunderbares Glück erfährt? Man kann auf seinem Gesicht ablesen, dass etwas Besonderes geschehen ist.

Was das Gebet doch bewirken kann! Keiner kann Gott finden, der nicht betet.

Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass das Gottesbild bei uns immer blasser wird, dass Gott in unserer Gesellschaft immer weniger Bedeutung hat, wenn wir das Gespräch mit Gott nicht suchen. Letztlich ist er für uns dann keine Wirklichkeit mehr. Dann fällt sozusagen der Schatten der Wolke auf uns. Das hat aber zur Folge, dass alles wegfällt, was Gott schenken kann: nämlich Sicherheit, Geborgenheit, Schutz, Hoffnung, Trost im Leid, Zuversicht in der scheinbaren Sinnlosigkeit und Verzweiflung, eine Perspektive, die über dieses Leben hinausreicht.

Das Gebet ist wie eine Nabelschnur zu Gott, die für uns zur Kraftquelle und zur Wegweisung wird.

Die Jünger werden in die Verwandlung Jesu miteinbezogen. Sie sehen ihn in einem neuen Licht. Sie ahnen, sie erfahren: In Jesus zeigt sich der unsichtbare Gott, der in „unzugänglichem Lichte wohnt“, wie es im Timotheusbrief heißt, ganz nahe.

Dieser Gott ist niemand anderes als der Gott Israels, der Gott des Mose und des Propheten Elija. Er will den Menschen ganz nahe sein -  in niemand anderem als in diesem Jesus, der am Kreuz sterben wird, aber nicht im Tod bleibt. Die Stimme aus der Wolke sagt es: „Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!“

„Auf ihn sollt ihr hören!“, das gilt auch uns: Wir dürfen uns im Gebet mit Jesus Gott zuwenden, jenem Gott, der will, dass unser Leben gelingt.

„Auf ihn sollt ihr hören!“: Wir sollen uns aber auch mit Jesus dem Bruder, der Schwester zuwenden, die in Not sind. Zu den klassischen Übungen der Fastenzeit gehört ja neben dem Verzicht und dem Gebet das Almosengeben, d.h., die tätige Sorge für den Mitmenschen, der unsere Hilfe braucht.

Lassen Sie mich zum Schluss nun noch das sagen, was für mich persönlich dieses Evangelium so wichtig und so wertvoll macht:

Jesus und die drei Jünger erleben auf dem Berg der Verklärung sozusagen Hoch-Zeit, einen Höhepunkt ihres Lebens, eine Sternstunde. Sie erleben den Himmel auf Erden. So schön ist das für die Jünger, dass sie diesen Augenblick festhalten wollen. Diesen Zustand wollen sie beibehalten. „Es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen…“ Hier wollen wir uns niederlassen und bleiben. Durch den weiteren Ablauf der Geschichte wird jedoch deutlich – und das ist ja auch die Erfahrung unseres Lebens: Der Mensch erlebt in seinem Leben nicht nur Hoch-Zeiten. Er muss auch über manchen holprigen Weg und durch manches tiefe Tal, so wie die Jünger mit Jesus auch wieder ins Tal hinunter mussten. Und wohin ihr Weg führte wissen wir: nach Jerusalem ans Kreuz.

Aber liebe Christen – und das ist das Tröstliche -, wir brauchen unsere Wege durch die Niederungen unseres Lebens nicht allein zu gehen. Jesus geht den Weg mit uns, er begleitet uns – sogar bis ans Kreuz.

Solange wir leben, leben wir in der Spannung zwischen Himmel und Erde, zwischen Hoch-Zeit und Niedergeschlagenheit. Ein Liedtext aus dem alten Gotteslob wird zum Gebet in dieser Zerreißprobe:

„Denn wenn du ja sagst, kann ich leben;

Stehst du zu mir, dann kann ich gehen,

dann kann ich neue Lieder singen

und selbst ein Lied für andre sein.

Tu meinen Mund auf, dich zu loben,

und gib mir deinen neuen Geist.“ (GL 165,4)

Anzeige

Anzeige