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Mittwoch, 30. Dezember 2020

Gedanken zum Jahresschluss

Jahresschluss 2020

 

Spuren im Sand

Eines nachts hatte ich einen Traum:

Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.

Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,

Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.

Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,

meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war,

blickte ich zurück.

Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war.

Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:

„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?!“

Da antwortete er:

„Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“

 

Gedanken zum Jahresschluss                                                       

Das Jahr 2020 – das Pandemie-, das Seuchenjahr - ist zu Ende. Es gibt manche unter uns, die würden es am liebsten ganz streichen und vergessen wollen.

Nun wissen wir alle, dass man die Zeiger der Uhr nicht zurückdrehen kann. Was geschehen ist, ist geschehen. Es bleibt. Es ist unwiderruflich, hineingeschrieben in das Buch des Lebens. Darin sollte schon alles, wirklich alles, seinen Platz haben: das Schöne und das Gute – denn auch das konnten viele in dem zurückliegenden Jahr erfahren –, das Schreckliche und das Unbegreifbare; die Freude und das Leben; die Trauer und die Angst; das Sterben und der Tod. All das, was Leben ist und ausmacht, auch wenn uns manches daran überhaupt nicht gefallen will.

 Das Leben ist so: Es bewegt sich in dieser Spanne von Glück und Unglück, von Erfüllung und Unerfülltsein. Der ehrliche Umgang mit dieser Wirklichkeit des Lebens ist gefordert. Und als Christen glauben wir: Gerade in Zeiten, in denen wir mit Widerstand, Problemen, mit Versagen und Scheitern, mit Angst und Verzweiflung, mit Schmerz und Krankheit und Tod zu kämpfen haben, da ist Gott uns am nächsten.

Eine Bitte, die in die Wirklichkeiten, die positiven wie die negativen, des alten Jahres hineinsprechen könnte und auch die kommende Zeit in den Blick nimmt, könnte so lauten: „Herr, lehre uns, Ja zu sagen zu dem, was kommt. Herr, lehre uns das Vertrauen in die Macht Gottes, des Vaters, der auch die dunklen Stunden in die Freude eines neuen Lebens und eines neuen Aufbruchs verwandeln kann. Herr, lehre uns die innere Freude über deine Zuwendung zu uns mit anderen zu teilen und unser Leben in der frohen Erwartung zu gestalten, dass du alles zum Guten wenden kannst und wirst.“

Dietrich Bonhoeffer steht für einen Glauben, der aus den Zeilen dieses Gebetes spricht. Er schrieb einmal: „Der Glaubende sieht die Wirklichkeit nicht in einem bestimmten Licht, sondern er sieht sie, wie sie ist, und glaubt gegen alles und über alles, was er sieht, allein an Gott und seine Macht. Er glaubt nicht an die Welt, auch nicht an die entwicklungsfähige und verbesserungsfähige Welt, er glaubt nicht an seine weltverbessernde Kraft und seinen guten Willen, er glaubt nicht an den Menschen, auch nicht an das Gute im Menschen, das schließlich doch siegen müsse, er glaubt auch nicht an die Kirche in ihrer Menschenkraft, sondern der Glaubende glaubt allein an Gott, der das Unmögliche schafft und tut, der aus dem Tod das Leben schafft …“ (DBW Band 11, Seite 351).

Liebe Mitchristen, eine Person, die diese betende Haltung gelebt hat, sehe ich in Maria. Ihr Leben war von Gott gesegnet. Sie hatte, wie es die Schrift sagt, „Gnade bei Gott gefunden“. Das ersparte ihr jedoch nicht die vielen Herausforderungen und Schicksalsschläge, die ihr das Leben zugemutet hat. Schon die erste Begegnung mit dem Engel, der ihr die Geburt des Messias verheißt, bringt für sie vieles durcheinander. Von all dem, was mit ihr und mit ihrem Leben geschehen sollte, konnte sie keine Ahnung haben. Doch sie hatte Vertrauen, unendlich großes Vertrauen, dass Gott zu ihr stehen würde und das Gute, das er mit ihr beginnen wollte, auch vollenden würde.

Maria kannte alles, was auch wir kennen und was wir sehr oft unter großen und belastenden Prüfungen für unseren Glauben, für unsere Beziehung zu Gott zu bestehen haben: Da ist die Angst um das Kind, das sie unter schwierigsten und widrigsten Bedingungen geboren hat. Da ist die Sorge um den heranwachsenden Sohn, der ganz plötzlich bei der Wallfahrt nach Jerusalem nicht mehr aufzufinden war. Da sind der Kummer und die Sorge um Jesus, wenn er sich immer wieder mit dem Gesetz und seinen Vertretern auseinandersetzt. Am Ende ihres Lebens steht sie unter dem Kreuz und muss den Tod ihres Sohnes erleben. Das eigene Kind sterben sehen – wohl das Schrecklichste für jede Mutter.

Ihre Geschichte lehrt mich, dass Gott mir die Herausforderungen des Lebens nicht erspart. Dass er mich aber sehr wohl durch sie hindurch begleitet. Und das darf und das möchte ich auch von ihm erwarten!

Liebe Christen, blicken Sie selber nochmals auf das Vergangene zurück. Schauen Sie auf die Momente, die für Sie schwer zu ertragen waren. Können Sie in Ihrem Leben und in den Prüfungen, die das Leben für Sie bereitgehalten hat, die Spuren Gottes erkennen? „Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen“, lautet der Schlusssatz der Geschichte von den Spuren im Sand.

Kommt es nicht genau darauf an? Nicht auf das, was uns das Leben immer wieder zumuten möchte und was wir in den wenigsten Fällen wirklich beeinflussen können, sondern auf die Tatsache, dass wir uns in jedem Augenblick unseres Lebens von Gott getragen und gehalten wissen dürfen?

Dieser Glaube, diese Hoffnung und auch die Erwartungen an meinen Gott, die der Glaube in mir wachruft, lassen mich ganz anders durch mein Leben gehen. Am Ende ist es immer wieder dieses Vertrauen, das uns in den vielen Widersprüchen und Gegensätzen des Lebens vor der völligen Verzweiflung bewahrt.

Mein Wunsch an Sie und uns alle ist: Ganz gleich, welche Wege das Leben für uns bereithalten wird, ganz gleich, welche Höhen und Tiefen wir auch künftig zu bestehen haben, bewahren wir uns unseren Glauben und unser Gottvertrauen. Lassen wir uns nicht verunsichern. Lassen wir uns keine Angst einjagen. Lassen wir nicht zu, dass allein Sorgen und Probleme unser Leben bestimmen. Entdecken wir - jeder für sich selber - die Führung und Begleitung Gottes in unserem Leben. 

Gesegnet sei das neue Jahr 2021! Behütet und gesegnet seien Sie und Ihre Familien in diesem neuen Jahr!

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