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Samstag, 20. März 2021

Gedanken zum Patronatsfest des Hl. Josef

Foto von Daria Shevtsova von Pexels

19. März 2021

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.

Jakob zeugte den Josef, den Mann Marias;
von ihr wurde Jesus geboren,
der der Christus genannt wird.
Mit der Geburt Jesu Christi war es so:
Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt;
noch bevor sie zusammengekommen waren,
zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete –
durch das Wirken des Heiligen Geistes.
Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte,
beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
Während er noch darüber nachdachte,
siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum
und sagte: Josef, Sohn Davids,
fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen;
denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
Sie wird einen Sohn gebären;
ihm sollst du den Namen Jesus geben;
denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
Als Josef erwachte,
tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte.

Gedanken zum Evangelium

„Meist kommt es anders als man denkt.“ – Diese Erfahrung hat auch der hl. Josef machen müssen.

Er hatte wohl andere Pläne von seinem Leben und seiner Zukunft - bis er eines nachts das geheimnisvolle Wort hörte: „Josef, Sohn Davids, scheue dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen.“ Sein Lebensentwurf wurde dadurch nicht nur unterbrochen, sondern geradezu aus den Angeln gehoben. Gott hat seine eigenen Pläne mit ihm, und hat damit sein Leben mit Beschlag belegt. Er hat dem Zimmermann aus Nazaret jenes Menschenkind zu treuen Händen anvertraut, das einmal der Retter der Welt werden sollte. Ihm sollte er Vater sein.

Josef hat diese Rolle übernommen und ausgeführt, und er war in dieser Rolle alles andere als der Mann im Hintergrund, alles andere als ein Statist, der nichts zu sagen hat und ohne den es eigentlich auch ganz gut gehen würde.

Wir müssen uns einmal in die damalige jüdische Gesellschaft hineindenken. Als Vater war Josef da ganz selbstverständlich die Hauptperson, er war der Hausvorstand. An niemand anderem als an Josef erfuhr der kleine Jesus, was ein Vater ist. Ihn hat Jesus Vater genannt, von ihm hat er all das gelernt, was ein Kind und ein Jugendlicher lernen muss. Es war Sache des Vaters, den Sohn in die Lehre und die Gebräuche seines Volkes einzuweisen.

Josef hat den Sohn mit den Psalmen vertraut gemacht, mit den heiligen Gebeten Israels. Er lehrte ihn das tägliche Gebet, wie es der fromme Jude morgens und abends betet; das mit den Worten beginnt: „Höre Israel! Preiset den Herrn, den Hochzupreisenden! Gepriesen sei der Herr in Zeit und Ewigkeit.“ Es ist ein Loblied auf den Schöpfer und Weltherrscher. Es enthält eine Preisung nach der anderen. Bemerkenswerterweise kommt keine einzige Bitte darin vor. Es ist zweckfreies Lob Gottes.

Das „Höre Israel“, das Sch@ma Israel, ist eine Art Hausliturgie. Morgens und abends wird es in der Familie gesprochen. Es gehört sicherlich zu den frühesten Gebeten Jesu.

An der Hand Josefs lernte Jesus beten. An der Hand Josefs lernte er auch den Gottesdienst in der Synagoge kennen, der immer am Sabbat stattfand. Es ist übrigens die gleiche Synagoge, von der Lukas am Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu schreibt: „So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, nach seiner Gewohnheit, am Sabbat in die Synagoge.“ – Diese Gewohnheit hatte er von seinen Eltern, die Sabbat für Sabbat in den Gottesdienst gingen und den heranwachsenden Sohn mitgenommen haben. Am Sabbat drehte sich für den frommen Juden alles um Gott, und keine Nebensächlichkeit, kein Ereignis politischer oder gesellschaftlicher Art konnte davon ablenken. Jesus gehörte offensichtlich nicht zu den Kindern, die - wie der Theologe und Soziologe Albert Biesinger einmal schrieb – um Gott betrogen werden. Ganz im Gegenteil: Auch am Höhepunkt des religiösen Lebens in Israel lassen sie ihn teilnehmen, an der Wallfahrt nach Jerusalem. Diese Wallfahrt - der Fußmarsch zwischen Nazaret und Jerusalem dauerte etwa vier Tage - war mit vielen Strapazen und Anstrengungen verbunden, und war für den zwölfjährigen Jesus sicherlich ein faszinierendes Erlebnis. Sah er nun doch mit eigenen Augen, was Josef ihm erzählt hatte, von Jerusalem: die riesige befestigte Stadt und darin – weltberühmt –  der Tempel, jenes Wunderwerk architektonischer Schönheit, das goldene Dach, die riesigen Steinquader, die weiten, hohen Säulenhallen und schließlich das Allerheiligste, das niemand betreten durfte. All diese Pracht und Herrlichkeit wurde noch überhöht von dem Glauben, dass hier die Wohnung Gottes war. Kein Wunder, dass Jesus sich nicht losreißen konnte vom Tempel am Ende der Wallfahrt und dass er im Tempel zurückblieb.

Schwestern und Brüder, Jesus war wirklich kein Kind, das um Gott betrogen wurde. Seine Eltern Maria und Josef, haben ihm vorgelebt und beigebracht, was ihre tiefste Überzeugung war: Der Mensch muss Kontakt zu Gott haben, wenn sein Leben gelingen soll.

Das könnte die Botschaft sein, die heute am Fest des hl. Josef, auch uns angeht: Der Mensch muss Kontakt zu Gott haben. Wie gut und nötig wäre es, wenn es auch bei uns heute wieder mehr Eltern, Väter und Mütter und Großeltern geben würde, die echtes religiöses Interesse haben, die ihren Kindern und Enkeln von Gott erzählen und ihnen auch vorleben, was es heißt, mit Gott in Kontakt zu sein. Ein Mensch muss Gott in seiner Größe kennen und anerkennen, um sich selbst richtig einzuschätzen. Die Perspektiven dürfen nicht verschoben werden, sonst geht das Leben in eine falsche Richtung. Der Mensch muss sich immer bewusst bleiben, dass er sich nicht selbst verdankt, sondern dass sein Leben ihm von einer höheren Macht gegeben ist.

Wo diese angemessene Selbsteinschätzung und die damit verbundene Demut, die der hl. Josef uns vorgelebt hat, nicht greift, gerät Gott in Vergessenheit und der Mensch macht sich selbst zu Gott. Und wohin das führen kann, wenn der Gott keine Bedeutung mehr hat und der Mensch sich über ihn erhebt, das haben wir in Deutschland erlebt, als 1933 ein im wahrsten Sinn des Wortes gott-loses Regime die Gewalt in unserem Land an sich gerissen hat.

Schwestern und Brüder, der hl. Josef hatte im Leben Jesu einen wichtigen Platz. Und diesen Platz könnte er auch in unserem Leben einnehmen. Er kann uns lehren, Gott, das Höchste, was es gibt, nicht aus den Augen zu verlieren. In einer Zeit, in der der Glaube an Gott zunehmend zurückgedrängt wird und schwindet zugunsten einer egoistischen Spaßgesellschaft, kann der hl. Josef uns ermutigen und helfen, als Gemeinde Jesu durch unser ganz persönliches Zeugnis zu einer glaubwürdigeren und lebendigeren Kirche hier vor Ort beizutragen.

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